Tatort.

Was wir wollen: 

Frau Schneidereit erschießt Herrn Schneidereit, nachdem sie ihn zusammen mit Fräulein Schmidt in flagranti erwischte.

oder

Herr Schmidt erdolcht seine Schwester Frau Heisermann und dessen Gatten, um an das Erbe der Eltern zu kommen.

oder

Der Gärtner Herr Heisermann vergiftet seine Arbeitgeberin Frau Underberg, die ihn mit ihren Stichelein stets demütigte.

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Eine Art Frohsinn.

Die Hände zittern. Sie versucht, den Lidstrich gerade zu ziehen. Sie versucht es, so gut es geht. Die Augenbrauen. Der Lippenstift. Die Haare sitzen, nun noch der Hut. Ein Blick in den Spiegel: ja, es passt, irgendwie. Die Augen, das sind ihre, sie blitzen noch wie früher. Die Lippen waren mal voller, das weiß sie. Und die Falten, die waren irgendwann da. Man merkt nicht, wie die Falten kommen, man merkt immer nur, wenn sie da sind. Wie plötzlich über Nacht. Immer mehr.

Sie nimmt ihren Mantel von der Garderobe, knöpft ihn zu und schlingt sich den Schal fest um den Hals. Die Stiefel – braunes abgewetztes Leder – haben ihre besten Tage schon seit Jahren hinter sich. Die Tür fällt ins Schloss, das muss reichen. Sie schließt nicht ab. Die Schritte sind vielleicht nicht mehr so fest wie vor ein paar Jahren, aber das ist in dem Moment völlig egal. Sie weiß, was ihr Ziel ist.

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Kurz und dumpf.

Es läuft zwar gerade alles anders als noch vor kurzem erwartet. Aber solange anders nicht unbedingt und ausschließlich schlechter meint, kann er das schon ertragen. Wer ständig nur dem Glück hinterherjagt, dem entgeht schnell die Zufriedenheit.”Und grad ist alles gut.” Oder zumindest okay. Die Miete ist bezahlt, es ist Ende des Monats, und er hat mehr zu essen im Haus als nur Tütensuppe. Das war mal anders.”Es ging schonmal schlechter.” sagt er und meint es auch so.

Saufen, fressen, ficken. Das was den Mensch zusammenhält. Darf’s noch ein bisschen mehr sein? Für ihn nicht. Ein stilles, schiefes Grinsen bringt ihn durch die Nacht.

Manchmal ist es wohl am wichtigsten, sich selbst ernst zu nehmen. Und er lernt das. Er lernt.

This truly is god’s country.

Los, lauf. Rennen, nicht stehen bleiben. Nicht umgucken. So schnell es geht, immer weiter, immer weiter. Bis das Herz bis zum Hals schlägt und du nichts mehr als dich atmen hörst. Immer weiter. Bis die Füße brennen vor Kälte und du die Finger nicht mehr spürst. Das ist einfach. Das übertüncht. Nicht nachdenken, nur vorwärts. Nicht im Kreis. Und manchmal ist die Flucht nach vorn das einzige, das Sinn ergibt.

 

Vielleicht geht so Ruhe.

Kleingeld.

Sarah schneidet Haare. Sarah heißt nicht wirklich Sarah, aber im Folgenden werde ich sie so nennen. Sarah lernte ich in einem Friseursalon kennen, nicht so einem 10-Euro-Laden, aber auch nicht in einem besonders teueren Geschäft. Ich zahlte für Waschen-Schneiden-Föhnen etwa 35 Euro – okay dafür, dass sie eine Stunde mit mir und meinen Haaren beschäftigt war – so dachte ich. Inzwischen arbeitet Sarah nicht mehr in dem Laden, aber schneidet immer noch meine Haare. Und erzählte mir ein bisschen aus ihrem Leben. Und ihrem Beruf. Sie blieb beim Erzählen stets freundlich und gut gelaunt – mich hingegen machten ihre Erzählungen wütend. Und traurig.

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Alles war schön und nichts tat weh.

Er blickt sich nicht mehr um. Warum auch… es hätte nichts gebracht. Es schneit… oder regnet es? Diesen Dreck, der da vom Himmel kommt, kann wohl kein vernünftiger Mensch  definieren. Wobei wohl diese Eigenschaften durchaus nicht zu bezweifeln sind: Erstens: Kälte, zweitens: Nässe, und nebenbei ein vollkommen ungutes Gefühl.

Die zu lange Hose schleift er hinter sich her und als er die nasse Kälte von unten heraufgekrochen spürt, verflucht er sich selber und seine Faulheit- dieses verdammte Ding einfach mal umzukrempeln dürfte doch nicht so schwer sein. Doch jetzt ist auch schon zu spät und der Typ für Schadensbegrenzung war er definitiv nicht. Eher im Gegenteil, ganz oder gar nicht, immer mitten in die Fresse rein und Augen auf und durch, denn mit geschlossenen Augen kann man dem, was einem entgegenkommt, nicht mehr mutigen Herzens und zittrigen Knien entgegenblicken – zumindest sagt man das doch so, oder? Wobei das Herz wohl meistens eher zittrig und weniger mutig daherkommt, aber das muss ja keiner merken und er hat auch nicht das Bedürfnis, das andere merken zu lassen. Warum auch…dazu gibt es keinen Grund und jedes mal, wenn er sich anderen geöffnet hat, ist er sowieso immer wieder auf die Fresse gefallen, und mit der Zeit wird man dessen müde, sehr sogar. Selbst so ein Mensch, wie er es ist, wird dessen durchaus überdrüssig. Doch er zeigt dies nicht, sondern legt eine unglaublich leichtfüßige Gleichgültigkeit an den Tag, sodass es einigen nicht schwerfällt, ihn als kalt zu beschreiben. Wie gern er nur wirklich so kalt sein würde.

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